Grußwort zur Gründungssitzung
des Rats der Religionen Frankfurt am 01. April 2009 im Dezernat XI
von Dr. Nargess Eskandari-Grünberg


 

Liebe Ratsmitglieder,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ein persisches Sprichwort sagt: “Tu die kleinen Dinge jetzt: dann werden die großen allmählich zu dir kommen und bitten, von dir getan zu werden.” Ich denke, an einer solchen Schwelle - vom Kleinen zum Großen - stehen wir heute.
In der Vorbereitung der Gründung eines Rats der Religionen haben Sie, haben wir alle über viele Monate - teils über Jahre - hinweg so viele kleine Dinge getan, so viele Schritte nach vorne, seitwärts (und teils auch zurück), dass es fast unglaublich wirkt, dass es heute Abend endlich, wirklich so weit sein soll. Nach der so gelösten und geradezu erhabenen Atmosphäre unserer ersten Zusammenkunft am 11. Februar 2009 mag der heutige Abend für Sie in unserem Sitzungssaal wie ein administratives Nachspiel wirken. Als Politikerin, die mit Gremiensitzungen ihre eigenen Erfahrungen hat, möchte ich sagen: Sehen Sie die vielleicht etwas nüchterne Stimmung anders. Sie erst ist ein Zeichen dafür, dass es wirklich los geht: Wir arbeiten immer im Alltag, im Kleinen, selbst dann, wenn wir Großes leisten.
Der Initiativkreis hat über viele Jahre hinweg unwahrscheinlich viel Verdienstvolles getan; ich selbst habe mehrere Monate hindurch so viele Telefonate und Gespräche geführt, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Ab jetzt gibt es keinen Initiativkreis mehr: Ab heute Abend muss die Initiative von Ihnen ausgehen und von Ihrem Vorsitzenden und Vorstand.
Denn die Stadtpolitik braucht einen Partner wie Sie. Die Öffentlichkeit braucht eine solche andere Stimme. Und wir beide, Öffentlichkeit und Politik, brauchen Sie gerade jetzt zu dieser Zeit, da einerseits viele Menschen Werte, Maßstäbe suchen, und andererseits manche meinen, mit oder auch gegen Religion ihre eigene Politik machen zu können. Nicht nur bei vielen kleinen Dingen brauche ich Ihren Rat und Ihre Hilfe. Wir müssen außerdem wissen, welche Dinge klein sind und welche groß und wichtig.
Wenn ich darüber nachdenke, was mein Amt als Integrationsdezernentin eigentlich ausmacht, dann ist es wohl dies: Menschen zusammenzubringen. Bereits die bloße Existenz Ihres Rates ist in dieser Stadt ein ungeheuer wichtiges Signal: dass auch Religion nicht trennt, sondern verbinden kann; dass sie auch dann verbinden kann, wenn man sie nicht verschweigt, sondern offen lebt. So habe ich es in meiner Kindheit erlebt, als ich auf einer Straße mit Muslimen, Christen, Juden und Bahais gespielt habe, in einem Land, das außerdem Heimat der Zarathustraner ist, unter denen ich ebenfalls viele Freunde habe. Ich sage es einmal so: In meinem Leben habe ich auch anderes erlebt.
Daher geht mir die Gründung dieses Rates auch persönlich sehr nahe. Ich bin heute Abend sehr glücklich, erleichtert, aber auch erwartungsvoll, welche kleinen und großen Räder wir zusammen drehen werden. Zu dieser Stunde bin ich weit weg, passenderweise im Heiligen Land. Aber ich werde die kommenden Stunden an wenig anderes denken. Ich wünsche Ihnen alles Gute und uns ein baldiges Wiedersehen in der nächsten Woche.